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Familienbett-ausgeschlafen oder ausgetrickst?

Da war es wieder, so zum 6. Mal, und das erst um 22:00h:
Das herzzerreissende Fiepen aus dem Kinderzimmer. "Mamaaaaaa..."

Jedes Kind hat sie, mal mehr, mal weniger ausgeprägt, diese Phasen, in denen es nicht ein- oder durchschlafen kann.
Wo doch mit Glück anfangs noch ein göttlicher Hormoncocktail dazu beitrug, dass wir trotz wochenlang verpasster Tiefschlafphase um 6 Uhr morgens gut gelaunt an der Kaffeemaschine standen, herrschen nun pure Verzweiflung und Wahnsinn.

Kein Mensch kann vernünftig denken, geschweige denn arbeiten, wenn er nicht vernünftig schläft.

Kein Mensch sieht mit Augenringen gut aus, außer vielleicht Kristen Steward. Is so.

Warum beschäftigt mich von work+play das?

Weil ich seit der Geburt meiner Tochter daran feile, wie ich dem schwarzen (Schlaf-) Loch entkommen kann, und hoffe, einige Ratschläge erteilen zu können.

Ich warne aber direkt vor: Es gibt sie nicht, die, pardon,  Arsch-auf-Eimer-Tipps.


Wie gehen wir es nun an?

 

Dass wir so zweifelhafte Methoden wie "ignorieren aka "schreien lassen" (wow, wie pädagogisch!) nicht anwenden, ist ja klar.
Obwohl auch ich schon mit einem gewissen Anflug von Panik in der Stimme mein Kind angebettelt habe, endlich zu schlafen, weiß ich, dass es mich nicht aus Boshaftigkeit oder Langeweile immer dann aufweckt, wenn ich grade anfange zu träumen.

Es kam auch durchaus vor, dass ich meine schreiende Tochter für zwei Minuten wieder ins Bett gelegt habe und ins Badezimmer geflüchtet bin, Durchatmen. Wir sind allerdings zum Glück meist zu zweit zu Hause und springen sofort ein, wenn einem von beidem eine Sicherung durchzubrennen droht.


Im Beistellbettalter ist die Entscheidung, zu dritt zu schlafen, überhaupt nicht so abwegig.
Schwierig wird es irgendwann, wenn man als Eltern doch mal wieder etwas Zeit füreinander haben möchte. Im Bett.
Das erste Ausquartieren klappt erfahrungsgemäß so semi- gut. In vielen Familien geht dann die Odyssee Elternbett-Kinderbett-Sofa los. Wobei das Sofa so eine Art Joker ist, den man sich erstmal erarbeiten muss: Dort darf man dann in besten Falle eine ungestörte Nacht verbringen und nimmt die Rückenschmerzen dafür billigend in Kauf.

 

Einige Tricks können helfen, den Augenringen entgegen zu wirken:

 

1. Die richtige Matratze. Wer immer wieder im Schlaf gestört wird, sollte wenigstens darauf achten, dass der Schlaf in den guten Phasen Qualität hat.

2. Die Größe der Matratze! Wer kann schon eng umschlungen oder mit diversen (wechselnden) Körperteilen im Gesicht schlafen?

1,40 x 2 m sollte da minimum sein, am besten haben wir in einem Hotel in einem 2 x 2,20m großen Bett geschlafen. Jeder mit seiner eigenen Decke natürlich.

3. Das Beistellbett ist in den ersten Monaten wirklich, wirklich praktisch! Sobald die Lütten beginnen, sich hochzuziehen und sich hinzustellen, ist es damit vorbei. Die meisten Beistellbetten haben einen recht niedrigen Rand und man schreckt ständig aus dem Schlaf hoch um zu vermeiden, dass das Kind über das Gitter purzelt.

4. Nickerchen machen, sobald sich die Möglichkeit ergibt, um die Reserven zwischendurch aufzufüllen!

5. Ausgewogen essen und trinken, wirklich! Du merkst es, wenn dir bspw. Eisen, Vit. D oder B-Vitamine fehlen. Stress zapft auch deinen Magnesium-Haushalt an!

6. Mit diesem Routine-Gequatsche will ich jetzt gar nicht anfangen, kann man eh überall lesen. Feste Tagesabläufe, Einschlaf-Routinen, jeden Abend gleich, immer zur selben Uhrzeit... Kann ich nicht. Stimmt bestimmt, aber wir sind da keine Menschen für, und wenn wir damit unserer Tochter ihre Kindheit erschweren und sie wohlmöglich genau solche Schwierigkeiten später erleiden wird- zumindest kommt sie nicht auf die Titelseite der Mopo als das Kind, welches in einem Familiendrama zusammen mit dem Vater von der verrückt gewordenen Mutter... ihr wisst schon.

7. Nichts persönlich nehmen. Nein, dein Kind will dich nicht ärgern. Auch wenn die Wahrnehmung eines Einzelnen mal verrutschen kann, bleiben die, über die wir Eltern uns nur all zu gerne genervt austauschen, kleine, liebebedürftige Mäuse, die nichts wollen als Körperkontakt, Nahrung und Wärme. Zumindest vorerst.

 

Das Kind ohne Anleitung

 

Bei diesem ganzen Theater ist natürlich diese stets schwelende Frage irgendwie angebracht: Was soll das? Wozu soll das gut sein? Das KANN doch von Mutter Natur so nicht vorgesehen sein!
Selbst im Falle dessen, es gäbe eine Antwort auf diese Frage, würde diese wohl ohne Verhaltensanweisungen kommen.

So sieht also unser persönlicher Lösungs-Slalom aus:

Phase 1: Ausquartiert mit SOS-Matte

Unsere Tochter ist bereits mit 4 Monaten in ihr Kinderzimmer gezogen, allerdings aus dem Grund, dass sie und ein weiteres schnarchendes Familienmitglied sich ständig gegenseitig geweckt haben. Das klappte erstaunlich gut, bis auf die Sache mit dem Stillen. Da gab es keine andere Möglichkeit für mich, als jedes mal aufzustehen, denn ich wollte trotzdem mit meinem Freund alleine im Bett schlafen, zumindest den Großteil der Nacht.
Wir haben irgendwann angefangen, eine Matratze neben das Kinderbett im Kinderzimmer zu legen, um im Notfall als das weniger erschöpfte Elternteil auf Weinen und Rufen zu reagieren und sich neben die Maus zu legen. Hatte meist zur Folge, dass eben jene natürlich nicht im eigenen Bett liegen blieb, sondern lauthals bekundete, kuscheln zu wollen und sich auf der 90 cm- Matratze breit machte. Wovon hinterher nicht so viel übrig blieb, also an Zentimetern für erwachsene Menschen. Diese Lösung war also nicht so der Hit.

Phase 2: Selbst ist das Kind

Nächster Step war bei uns, auch recht früh, das Rausnehmen von zwei Gitterstäben des Kinderbettes, damit Madame auf eigenen Beinen herüberlaufen kann. Wenn man eh nicht durchschlafen kann und sich das Bett mit einem kleinen Zappelphillipp teilt, muss man so halt wenigstens nicht aufstehen, kalte Füße kriegen, nochmal schnell aufs Klo gehen und nicht wieder einschlafen können.
Das war dann eine Weile OK, bis das nächtliche Aufwachen plötzlich vorbei war. Einfach so, ein Traum, endlich, wow, alle Reserven aufgefüllt, Liebe und so.
Aber hah, ein Kind wäre nicht ein Kind, wenn es nicht ständig irgendwelche blöden "Schübe" machen würde.
Also, Mütter und Väter da draussen, ihr wisst es eh schon: Genießt jede einzelne durchgeschlafene Nacht. Es könnte die vorerst Letzte gewesen sein.

Phase 3: Auf den Verstand des Kindes setzen

Nach wirklich üblen Nächten zu dritt, in denen wir beschlossen haben, dass es so einfach nicht geht, entwickelten wir eine weitere Lösung, die eine gewisse Willigkeit des kleinen Menschen voraussetzt.
Ich habe unserer Tochter sehr ernsthaft (und aus gegebenem Anlass mit viel "Indianervokabular", á la "der ganze Stamm ist sehr, sehr müde") erklärt, dass wir ziemlich fertig sind und es momentan unser größter Wunsch ist, einfach ruhig schlafen zu können.
Die Matratze liege jetzt jeden Abend vorbereitet neben unserem Bett, da könne sie, falls sie ein Problem habe, gerne ihr Lager aufschlagen.
ABER: leise, ohne Weinen, ohne "Mama, holst du meine Flasche/Schnulli/Puppa/den anderen Schnulli", ohne "ich kann nicht einschlafen", ohne Gezappel und Helikopter.
Und siehe da, es hat geklappt.
Jetzt sind wir es zwar, die nachts wach liegen, weil unsere Körper scheinbar dran gewöhnt sind, um 2 Uhr nachts das Kind durch die Gegend zu schleppen oder bibbernd in seinem Bett zu liegen und zu diskutieren. Aber wir haben dabei unsere Ruhe.

Somit ist die Besuchermatratze für uns persönlich grade die Optimallösung, die wiederum auch perfektioniert werden musste: Decke, Kissen, Schnulli und Trinkbecher müssen natürlich abends schon bereitgelegt werden, sonst funktioniert's nicht.

Weitere Lösung, wenn auch krasser:
Sollte es bei einem von uns gar nicht mehr gehen und der Körper nur noch nach Schlaf rufen, "darf" er sich ausquartieren.
Also so richtig. Bei einer Freundin/ einem Freund oder den Eltern schlafen oder in einem Hotel absteigen. Das kann besonders  während einer schwierigen Schlafphase mit Aussicht auf einen wichtigen Termin am Folgetag Gold wert sein. Aber auch hier sollten Regeln herrschen: Fair abwechseln. Wenn Jeder dran kommt, ist es für denjenigen Zu Hause gar nicht so schlimm.

 

 

 

 


*edit: Diesen Post habe ich vor 3 Wochen geschrieben.
Der Stamm ist sehr, sehr müde, das Kind zieht es wieder vor, zu Kühner Blick und schimmernde Zöpfe ins Tipi zu krabbeln.
Meine Tipps sind alle, vielleicht wissen die Götter Rat. Howgh!

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Kommentare: 2
  • #1

    Sylvia (Donnerstag, 31 Januar 2019 08:04)


    IHR dürft jederzeit hierher flüchten. Und die Lütte geben wir im Zingel-Tippi ab, die müssen üben!

  • #2

    Anna-Julia (Donnerstag, 28 März 2019 00:42)

    Dein Schreibstil ist der Hammer! Musste mehr als einmal schmunzeln